Relevante Erkenntnisse aus der angewandten Grundeinkommens­forschung

Was macht verlässliches Geld mit Menschen? Und was macht es nicht? Das Pilotprojekt Grundeinkommen liefert Antworten, die für breites Unternehmertum wichtig sind.

Der Kern unserer Arbeit bei everypreneurs ist die Kombination von Geld und Vertrauen für die Entwicklung von Unternehmer:innen. Deshalb interessieren uns Ergebnisse aus der Grundeinkommensforschung: Was passiert, wenn Menschen verlässlich und ohne direkte Gegenleistung über einen gewissen Zeitraum Geld bekommen?

Das Pilotprojekt Grundeinkommen hat das in Deutschland getestet. Ausgewertet wurden 107 Menschen, die drei Jahre lang 1.200 EUR im Monat ohne Bedingungen bekamen, und 1.580 Menschen ohne diese Zahlung.1

Die Studie lief von 2021 bis 2024. Finanziert und umgesetzt hat sie Mein Grundeinkommen e. V., durchgeführt haben sie Forschende vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin), von der Wirtschaftsuniversität Wien, der Universität Oxford und der Frankfurt School of Finance & Management. Steven Strehl war in dieser Zeit geschäftsführender Vorstandsvorsitzender von Mein Grundeinkommen.

Neben dem Pilotprojekt Grundeinkommen hat der Verein seit 2015 anekdotische Evidenz zur Wirkung von bedingungslosen Geldzahlungen an Menschen gesammelt. Diese ist in unzähligen von Journalist:innen veröffentlichten Gewinner:innenporträts dokumentiert.

Was die Studie zeigt

Wer abgesichert ist, arbeitet weiter

Der Anteil der Menschen in Arbeit blieb gleich. Die Arbeitszeit sank im Schnitt um 1,3 Stunden pro Woche, der Unterschied ist statistisch nicht gesichert.2

Der Kopf wird frei

Mentale Gesundheit, Lebenszufriedenheit und das Gefühl von Sinn stiegen deutlich. 18 Monate nach der letzten Zahlung waren noch 91 % des Effekts da.3

Mehr Selbstbestimmung

Die Menschen erlebten mehr Kontrolle über ihr Leben, jede:r Vierte nannte von sich aus mehr Wahlfreiheit. Laut den Forschenden wirkt Geld, wenn es regelmäßig, garantiert, bedingungslos, individuell und hoch genug ist.3

Bewegung im Job

Wer sich sicher fühlt, verändert etwas an der eigenen Arbeit. 37 % nannten Arbeit oder Ausbildung, als sie beschrieben, was sich geändert hat.3 Mehr Menschen wechselten ihren Job, vor allem bei ihren bestehenden Arbeitgeber:innen.4

Geld geht weiter

Die Empfänger:innen spendeten im Monat 28 statt 12 EUR und gaben 126 statt 50 EUR an Familie und Freund:innen. Bedingungsloses Geld bleibt nicht bei einer Person.1

Rücklagen entstehen

Die Empfänger:innen legten 779 EUR im Monat zurück, die Vergleichsgruppe 332 EUR. Am Ende hatten 13 % weniger als 10.000 EUR Vermögen, in der Vergleichsgruppe 27 %.1

Was die Interviews zeigen

Diese Geschichten stammen aus Porträts von Gewinner:innen. Sie sind Einzelfälle und keine Messung.

Die Sorge ums Geld fällt weg

Viele erzählen vom Aufatmen, weil die tägliche Sorge ums Geld weg war.5 Eine selbstständige Grafikerin weiß nie, wann der nächste Auftrag kommt. Mit dem Grundeinkommen hatte sie deswegen keine Bauchschmerzen mehr.6

Mut zum Wechsel

Eine Frau kündigte bei einem großen Konzern, ohne zu wissen, was kommt, und wurde Mentaltrainerin.6 Eine Politesse meldete sich zur Ausbildung als Verwaltungsfachangestellte an, einem Beruf, den sie bis zur Rente machen kann.7

Selbstständig mit mehr Ruhe

Eine Innenarchitektin beendete ihr erstes Projekt als Selbstständige ohne Druck.6 Eine Handwerkerin mit eigenem Betrieb hatte endlich Zeit für kreative Arbeit, bildete sich weiter und nennt das Grundeinkommen einen „wahnsinnigen Motor“.8

Was Geld allein nicht schafft

Mehr Selbstständige gab es nicht: Der Anteil lag in beiden Gruppen bei 7 %. Das DIW fand keine Hinweise darauf, dass das Geld als „Katapult in die Selbstständigkeit“ genutzt wurde.1

Eine ähnliche Studie aus den USA zeigt dasselbe Muster: Mit 1.000 Dollar im Monat wuchsen die Lust am Gründen und die Bereitschaft, Risiken einzugehen, aber nicht die Zahl der Gründungen.9 Beide Studien deuten an, dass sich das mit der Zeit ändern könnte.2,9

Für uns heißt das: Geld schafft Spielraum, aber es gründet nicht von selbst. Deshalb verbinden wir es mit Wissen, Netzwerk und Community.

Welche Fragen das aufwirft

  • Wie viel Sicherheit braucht Selbstbestimmung?
  • Wer entscheidet, wie viel ein Mensch braucht?
  • Was bleibt, wenn das Geld endet?
  • Wie wird aus dem Wunsch zu gründen eine Gründung?

Geld und Vertrauen

Steven Strehl, Gründer von everypreneurs

Mit meiner ehemaligen Vorstandskollegin Greta Stahr habe ich Einblicke in die Gehaltsgestaltung nach Bedarf statt klassischer Parameter, wie Ausbildung und Hierarchieebene, gegeben und gezeigt, welche Erkenntnisse wir dabei gewonnen haben.

Das Bedarfsprinzip: Ein Gehaltsmodell, das zur Organisation passt (Neue Narrative) (öffnet in einem neuen Tab)

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