Warum wir mehr Unternehmer:innen brauchen

Wenn wir über „ganz normales Unternehmertum“ sprechen, meinen wir das große unternehmerische Potenzial unserer Gesellschaft, das fernab von Start-ups und Konzernen existiert und schon heute 38 % der Arbeitsplätze in deutschen Unternehmen sichert.1 Wir sehen eine Zukunft voller Klein- und Kleinstunternehmen, die geführt werden von Menschen, die Verantwortung übernehmen, unter Unsicherheit handeln, im Tun lernen und nachhaltige Geschäfte führen.

Um dieses Potenzial auszuschöpfen, braucht es deutlich mehr Geschichten, die von vielfältigen Wegen in das Unternehmertum und unterschiedlichsten Talenten handeln. Menschen, die Resilienz, Einfallsreichtum, Stärke, Widerstandsfähigkeit in ihrer Biografie brauchten und gelernt haben und somit persönlich die besten Voraussetzungen mitbringen, um Unternehmer:in zu werden. Mehr Menschen, die mit Kreativität, Neugier und Gestaltungswillen nachhaltig und gemeinschaftlich Unternehmungen aufbauen und steuern.

Wir wollen mehr Menschen, die …

Verantwortung übernehmen

Für sich und für andere. Denn unternehmerisches Handeln lernt man nicht im Seminar. Es entsteht durch Entscheidungen, die fast immer auch andere Menschen betreffen.

Etwas gestalten

Etwas in die Welt bringen, das es vorher nicht gab. Das ist die Arbeit, nicht das Drumherum.

Aus Überzeugung handeln

Etwas tun, das dir wichtig genug ist, um an schlechten Tagen dranzubleiben.

Gut davon leben

Ein Einkommen, das trägt, ist ein Ziel. Keine Zwischenstufe auf dem Weg zu etwas Größerem.

Und Freude daran haben

Arbeit, auf die du dich freust, ist einer der Gründe, überhaupt anzufangen.

Wo stehst du gerade?

Unternehmerisch zu handeln beginnt an sehr unterschiedlichen Punkten. Hier sind vier davon.

Du bist 50+

Du kennst Branchen, Fehlerquellen und Menschen, die andere erst suchen müssen. Dreißig Jahre Berufserfahrung sind genau das, worauf sich ein Unternehmen bauen lässt. Was oft fehlt, ist nicht Kompetenz, sondern ein Umfeld, das eine Gründung in dieser Lebensphase für naheliegend hält.

Du bist unter 25

Dir fehlt vielleicht das Netzwerk, aber nicht die Zeit, Fehler zu machen und daraus zu lernen. Der Einstieg braucht deshalb keine fertige Idee, sondern Verantwortung, die groß genug ist, um daran zu wachsen, und ein Umfeld, das den ersten Fehlschlag nicht als Urteil behandelt.

Du bist angestellt

Unternehmerisch zu handeln heißt nicht zwangsläufig zu kündigen. Vieles davon lässt sich im bestehenden Job üben, etwa Verantwortung übernehmen, Ideen gegen Widerstand durchsetzen, mit unfertigen Informationen entscheiden. Wer später gründet, tut es dann nicht aus dem Stand.

Du bist selbstständig

Du trägst das unternehmerische Risiko bereits, oft aber allein, und in einer Struktur, die nur so lange trägt, wie du selbst arbeitest. Der Schritt vom eigenen Auftrag zum eigenen Unternehmen ist ein anderer als der vom Angestelltenverhältnis, und er braucht andere Unterstützung.

Warum jetzt und warum so?

Viele von uns machen sich zur Zeit darüber Gedanken, wie sie im „neuen Normal" (Unsicherheit, Dynamik, Komplexität, Widersprüchlichkeit) leben und arbeiten wollen. Wie sie selbst es verbessern und verändern können.

Bildungssystem, Arbeitsmarkt und Förderlogiken stammen aus einer Zeit, in der die meisten Menschen ihr Leben lang angestellt waren. Diese Welt verschwindet gerade. Wir bauen die Infrastruktur, mit der unternehmerisches Handeln zu einer gesellschaftlichen Grundkompetenz wird.

KI übernimmt Standardtätigkeiten

Genau die Aufgaben, auf die Ausbildung und Studium bisher vorbereiten, lassen sich zunehmend automatisieren.

Demografie verschärft den Mangel

Es fehlen nicht mehr Fachkräfte für bestehende Organisationen, sondern Menschen, die neue aufbauen.

Konzentration bremst Erneuerung

Große Unternehmen kaufen kleine auf und werden effizienter und profitabler, aber nicht zwangsläufig innovativer.

Zwischen Zuschuss und Investition klafft eine Lücke

Zwischen dem Gründungszuschuss der Agentur für Arbeit, einem Darlehen und großen Investitionen gibt es keine angemessene Finanzierung durch kleine und mittlere Summen.

Lebensläufe sind vielfältiger als die Zugänge

Biographien, Erfahrung und Lebenslagen bestimmen unsere Voraussetzungen. Erfahrung entsteht in Zweitausbildungen, in der Sorgearbeit, nach einer Migration und in Berufen, die es vor zehn Jahren nicht gab. Wer davon wenig in einen Lebenslauf schreiben kann, fällt durch die Raster, die über Zugang entscheiden.

Erzähl uns, was auf dich zutrifft

Quellen

  1. 1Kleine und mittlere Unternehmen: Wirtschaftsabschnitte insgesamt (öffnet in einem neuen Tab), Statistisches Bundesamt, Unternehmensstrukturstatistik. Stichjahr 2024, veröffentlicht 2026.

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